Mit der Sechs-Hüte-Methode kann ein zuvor besprochenes ethisches Konfliktthema aus verschiedenen Blickwinkeln differenziert diskutiert werden. Die Teilnehmenden werden mittels Zuteilung eines farbigen Hutes (Karte/Symbol) einer von sechs unterschiedlichen Rollen/Perspektiven in Bezug auf eine ethische Konfliktfrage zugeordnet, entwickeln zu ihrer Perspektive passende Argumente und wenden diese in einer abschließenden Gruppendiskussion an. Sie fordert von den Teilnehmenden, einen vorgegebenen und ggf. bisher nicht vertrauten Blickwinkel auf ein Thema einzunehmen und so von bisherigen Denkmustern abzuweichen.
Ziele des Lehrkonzepts
Globale Lernziele/Teilkompetenzen:
- Moralische Urteilsbildung
- Argumentationskompetenz
- Diskussionskompetenz
Konkrete Lernziele:
- Argumente erarbeiten
- Argumente präsentieren und auf das Gegenüber reagieren
- Identifikation und Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven auf ein Thema
- Findung und Anwendung von Argumenten unterschiedlicher vordefinierter Kategorien
- Unterschiedliche Perspektiven und zugehörige Argumente identifizieren
- Andere Perspektiven verstehen
Kontext des Lehrkonzepts
Zielgruppe:
Alle Gesundheitsberufe
Setting:
Präsenz
Lehrformat/Gruppengröße:
Seminar
Mindestzahl und Limit für Teilnehmende:
6-24 Teilnehmende
Arbeit in Kleingruppe
Erforderliche Vorkenntnisse für das Lehrkonzept
Vorkenntnisse in einem bestimmten Themengebiet oder einer didaktischen Methode:
Kenntnis des Konfliktthemas und grundlegender Argumentationslinien
Für die Lernenden:
Recherchearbeit im Unterricht
Erforderliche Vorkenntnisse für die Durchführung:
Grundkenntnisse über das Konfliktthema und grundlegende Argumentationslinien, erreichbar über
- Vorangehenden Impulsvortrag durch Lehrperson oder eigenständige vorherige Lektüre
- Online-Aufgaben
- Verschriftlichungen (z.B. Hausarbeiten)
- Recherchearbeit im Unterricht
Für die Lehrenden:
- Flipchart
- Moderationskoffer
- Ggf. Folien/Beamer (bei Impulsvortrag)
- Handouts mit Gruppenspezifischer Aufgabenstellung
Vorbereitung der Lehre
Vorbereitung (10 Minuten):
Die Lehrperson teilt die Gesamtgruppe zunächst durch Zuteilung von „Denkzetteln“ und Karten in den sechs Farben in sechs Untergruppen auf und erläutert Fragestellung und Methodik. Hierbei werden die Rollen, die durch die verschiedenfarbigen Karten repräsentiert werden, erklärt. Den einzelnen Farben kommt jeweils folgende Bedeutung zu:
Sechs Farben – sechs Gruppen – sechs Positionen
Weiß – Konzentration auf Tatsachen | Neutrales Sammeln von Zahlen, Daten, Fakten. Objektiv: Informationen ohne Wertung oder Emotionen, keine persönliche Meinung |
Rot – Konzentration auf Emotionen | Subjektiv und emotional, bewusst unreflektiert, persönliche Meinung, durchaus kontrovers d.h. positive wie negative Gefühle, z.B. intuitive Angst, Freude, Zweifel, Hoffnung, Ablehnung |
Schwarz – pessimistische Konzentration | Auf die objektiv negativen Aspekte: Bedenken, Zweifel, Einwände, Risiken, d.h. sachliche Argumente gegen ein Vorgehen (immer sachliche Ebene einhalten: keine persönlichen Gefühle) |
Gelb – optimistisch offen | Optimistische Konzentration auf die objektiven positiven Aspekte: Chancen, Vorteile, Pluspunkte, realistische Hoffnungen und erstrebenswerte Ziele, d.h. sachliche Argumente für ein Vorgehen (immer sachliche Ebene einhalten: keine persönlichen Gefühle) |
Grün – innovativ, kreativ, assoziativ, konstruktiv | Suche nach neuen Ideen oder möglichen Alternativen, unabhängig davon, wie verrückt oder unrealistisch die entstehenden Konzepte sind |
Blau – ordnend, strukturierend, moderierend | Eingangsfrage/Zwischenfragen an alle oder spezielle Gruppen überlegen, Gesamtüberblick über den Diskussionsprozess: Big Picture. Während der Diskussion Argumente anordnen, nachfragen, Gruppen ins Gespräch bringen. Abschlusszusammenfassung |
Durchführung der Lehre
Arbeit in Untergruppen (20 Minuten):
Sobald die Teilnehmenden mit ihren Farben bzw. Rollen vertraut sind, beginnt die Arbeit in den durch die Farbzuteilung gebildeten Untergruppen. Diese läuft in drei Schritten ab:
- Brainstorming: Sammeln von Gedanken und Argumenten, die der der Gruppe zugeteilten Farbe und damit verbundenen Position entsprechen. Dokumentation auf dem „Denkzettel“
- Recherche in geeigneten online verfügbaren Quellen nach weiteren für die Farbe bzw. Position passenden Argumenten. Dokumentation auf dem „Denkzettel“
- Zusammenfassung von Argumenten und Übertragung in Stichworten auf die ausgegebenen Farbkarten
Gruppendiskussion (10 Minuten):
- Die Lehrperson führt auf die Fragestellung hin und eröffnet die Diskussion
- Die Gruppe blau übernimmt die Moderation nach dem zuvor vorbereiteten Ablauf
Zeitangaben:
Ungefähre Angaben, variiert mit Kenntnis- und Erfahrungsstand der Gruppe Vorbereitung (10 Minuten), Arbeit in Untergruppen (20- 30 Minuten), Gruppendiskussion (10 Minuten)
Typische Herausforderungen:
Die Gruppe muss gut angeleitet werden. Mit Diskussionsübungen nicht vertraute Gruppen neigen dazu, die ihrer Kleingruppe vorgegebene Perspektive und die damit gegebene Rolle nicht wirklich anzunehmen. In der Diskussion werden dann ggf. nur Argumentationsblöcke aufgezählt aber nicht wirklich vertreten, so dass die Positionen dann im Diskussionsverlauf nicht flexibel argumentativ unterstützt werden, was die Diskussion artefiziell erscheinen lässt. Hierfür kann es hilfreich sein, die Teilnehmenden bei Erklärung der Methode zur Identifikation mit der vorgegebenen Perspektive und Position aufzufordern.
Variationsmöglichkeiten:
Verzicht auf Gruppe blau, die Lehrperson übernimmt dann somit die Strukturierung und Moderation der Diskussion
Ergänzende und weiterführende Informationen
Die Sechs-Hüte-Methode geht zurück auf Edward de Bono (1999: „Six Thinking Hats“). Sie gilt als Kreativitätstechnik zur Entwicklung neuer Ideen bzw. Konfliktlösung mittels multiperspektivischer Gruppendiskussionen. Hier wird sie in leichter Veränderung für die Ethiklehre vorgestellt.
Material zur Umsetzung des Lehrkonzepts
Quellen
De Bono, Edward (1990). Six Thinking Hats. London: Penguin Books